Chronik

Als Herauszüchter der Hunderasse Hovawart gilt Curt Friedrich König. Aus seinen Aufzeichnungen geht hervor, dass der Hovawart aus der Idee entstand, die "Gebrauchshundzüchterei" zu überwinden und mit einem intelligenteren Hund ad absurdum zu führen.

Aus diesem Grunde setzte unter den Hovawart Freunden, die nach dem Zweiten Weltkrieg in diesem, seinem Sinne züchten wollten eine heftige Gegenbewegung ein, als im Jahre 1951 der RZV bei dem VDH den Antrag auf Zulassung des Hovawart als 7. Gebrauchshunderasse stellte.

König sprach von denjenigen, die diesen Gedanken verfolgten, abfällig nur immer von "Sportzüchtern".


Und so blieb es nicht aus, dass diejenigen, die außerhalb des RZV und VDH in weiteren kleinen Vereinen unter Einhaltung selbst gegebener Ordnungen züchteten, den Hovawart als einen Hund beschrieben, der körperlich gesund, ein ohne Abrichtung in der Familie umgänglicher, in selbständig erkannten Notsituationen aber verlässlicher und zupackender Wächter seiner Habe ist.

Bei diesen weiteren kleinen Vereinen handelte es sich einmal um den "Hovawart Verein für Deutsche Schutzhunde e. V. Hamburg". Er war am 17.12.1946 in der Freien Hansestadt Hamburg gegründet und dort am 30.05.1947 in das Vereinsregister eingetragen worden. Er fühlte sich während der Teilung Deutschlands als Traditionsträger des ersten in Thale (Harz) gegründeten Vereins gleichen Namens.

Es handelte sich weiterhin um den "Verein der Hovawartfreunde Berlin e.V.", der sich am 28.11.1948 aus der Berliner Landesgruppe des Hamburger Vereins gebildet hatte und am 05.02.1949 die Zulassungsgenehmigung der amerikanischen Militärregierung erhielt.

Als dritter Verein kam später hinzu der "Verein für Hovawartzucht Weser-Ems e.V." dessen Gründung am 25.04.1959 in Bremen eine Reihe aus dem RZV wieder ausgetretener Mitglieder vorgenommen hatte, um gleichfalls die Gebrauchshundzüchterei nicht mitzumachen.

Da man wegen dessen damaliger Satzung dem VDH nicht angehören konnte, trat man gemeinsam dem "Verband Deutscher Rasse- und Gebrauchshundevereine e.V. (VDRG)" bei und gründete noch im Jahr 1959 auf einer gemeinsamen Zusammenkunft in Braunschweig den "Internationalen Hovawartzucht Verband (IHV) e. V.". In diesem bündelte man mit Zuchtbuchführung, Ausbildung von Zuchtwarten und Körmeistern die gemeinsamen Zuchtinteressen und war in dieser Hinsicht insbesondere in der Erhaltung der derben Hovawart Stämme sehr erfolgreich. Dies um so mehr, als man trotz der Einführung der HD-Kontrolle bereits im Jahr 1964 / 65 sich bei der Zucht nicht, wie der RZV, durch Gebrauchshundvoraussetzungen einschränken musste.

Als die Zuchtverantwortlichen im IHV dann jedoch Anfang der 70iger Jahre den für die Hovawartzucht nach dem 2. Weltkrieg geschlossenen Gen-Pool nochmals unter Verwendung eines Hovawart / Neufundländer / Leonberger-Wurfes wieder öffnen wollten, akzeptierten dies die Vereine Hamburg und Berlin nicht. Da sie sich aus Satzungsgegebenheiten nicht durchzusetzen in der Lage waren, traten sie zum 31.12.1973 aus dem IHV aus.

Da somit lediglich der Verein für Hovawartzucht Weser-Ems in diesem Verband verblieben war, gründete man einen weiteren in Oldenburg angesiedelten Verein mit dem Namen "Allgemeiner Förderverein für Zucht und Ausbildung von Hovawarten e. V." und gliederte diesen dem IHV an.

Obwohl man ein eigenes Zuchtbuch führte und beide Vereine einer Organisation angegliedert waren, verlor der IHV, nicht zuletzt wohl auch wegen diverser Streitigkeiten zunehmend an Bedeutung.

Die ausgetretenen Vereine Berlin und Hamburg, die einzeln in gar keiner Weise über ein ausreichendes Zuchtpotential verfügten, vereinbarten, in Zukunft eng zusammen zu arbeiten, sich Körmeister und Formrichter zur Verfügung zu stellen, die Ausbildung von Zuchtwarten zu fördern und ein gemeinsames Zuchtbuch in der Weise zu führen, dass eine gemeinsame Zuchtbuchstelle beiden Vereinen quasi in Loseblattform, sämtliche Zuchtbucheintragungen zur Verfügung stellte.

 Diese gemeinschaftlichen Tätigkeiten sollten ohne sich eine übergeordnete Organisationsform zu geben einen gemeinsamen Namen haben und man entschied sich seinerzeit für die Bezeichnung "Hovawart-Zuchtgemeinschaft Deutschland".

Der Name sollte gleichzeitig allen anderen eine ordnungsgemäße Körzucht betreibenden Hovawart Vereinen außerhalb des RZV signalisieren, dass man bereit sei, diese Art des freundschaftlichen Umgangs miteinander auf solche Vereine auszuweiten.

Die Chance nutzte in den 80iger Jahren der "Hovawart-Club e.V.", der seinen Sitz in Goslar hatte und ebenfalls die gleichen strengen HD-Vorschriften anwendete und Körzucht betrieb.

Diese Möglichkeit nutzte jedoch auch alsbald ein weiterer Verein, der sich in Kiel mit dem Namen "Hovawart-Club Deutschland e.V." gebildet hatte, sich insbesondere aus mit dem Zuchtziel unzufriedenen RZV-Mitgliedern zusammensetzte und den Versuch unternahm, als eigener Verein neben dem RZV in den VDH einzutreten.

Mitte der 80er Jahre war der VDH nämlich durch ein BGH-Urteil verurteilt worden, seine Satzung zu ändern und die Mitgliedschaft auch zweiten oder dritten Vereinen von Rassen zu ermöglichen, die er bereits durch andere Vereine betreute.

 


Da die Zeit viele Wunden heilt und auch in Vereinsvorständen neue Generationen nachwachsen, waren sich zu dieser Zeit die der vertraglich gebildeten HZD angehörenden Vereine und der Verein Weser-Ems sowie der Förderverein längst wieder näher gekommen.

Da bei der erwähnten Zwangsweisen Öffnung des VDH ein langfristiger Erfolg der Zuchtbemühungen dieser Vereine nur in einer eignen Mitgliedschaft im VDH bestand, kam man insbesondere auf Drängen des Vorstandes des Hamburger Vereins überein, sich zusammen zu schließen und gemeinsam die Mitgliedschaft im VDH zu beantragen.

Zu diesem Zeitpunkt wäre es zu weit gegangen, die Souveränität der einzelnen Vereine in Frage zu stellen, sie aufzulösen und in einem weiteren Verein zusammen zu führen.

Insoweit besann man sich gemeinsam des ja noch vorhandenen und im Vereinsregister von Berlin eingetragenen Verbandes IHV, hielt am 30.04.1988 in Wildeshausen eine gemeinsame Versammlung ab, trat in diesen Verband ein, gründete ihn um, gab ihm nunmehr den bereits seit langer Zeit verwendeten Namen "Hovawart Zuchtgemeinschaft Deutschland e.V." und betrieb mit Antrag vom 22.06.1988 erfolgreich unter diesem gemeinsamen Dach zunächst die vorläufige Aufnahme in den VDH.

Noch während dieses Verfahrens schied der Hovawart Club e.V. Goslar aus den Reihen der Hovawart Zuchtgemeinschaft wieder aus, um mit einem eigenen Antrag Mitglied im VDH zu werden.

Die in der Zwischenzeit eingetretene politische Wende in Deutschland ermöglichte es einigen Hovawart Freunden aus der ehemaligen DDR durch Unterstützung der HZD, einen eignen Hovawart Verein zu gründen, und so entstand als Sammelpunkt für viele Hovawartzüchter, die vorher der VKSK angehört hatten, der "Hovawart Verein Deutschland e.V." mit dem Sitz in Thale. Auch dieser Verein, der am 28.07.1990 in Sangerhausen gegründet wurde, wurde Mitglied der HZD und beteiligte sich an dem gemeinsamen Aufnahmeverfahren in den VDH.

Dass es gelang, einen weiteren Verband als Mitglied im VDH zu installieren, schockierte die dortigen Verantwortlichen in ganz offensichtlicher Weise, so dass die VDH-Satzung nachträglich dahin geändert wurde, die Mitgliedschaft eines Verbandes nicht zuzulassen.

Insoweit wurde die HZD gezwungen, sich im Rahmen des endgültigen Aufnahmeverfahrens, wollte sie einen Rechtsstreit gegen den VDH nicht führen, nochmals umzugründen und von einem Verband in einen Verein zu verwandeln.

Diese nicht leichte Aufgabe verlangte die Toleranz sämtlicher Mitglieder und insbesondere der einzelnen Vereinsvorstände. Die Vereine waren nämlich aufzulösen; zumindest mussten jedenfalls deren Mitglieder in die als Verein fortzuführende HZD überführt werden.

 


Die der HZD als Mitglieder angehörenden Vereine wurden somit Ursprungszellen der einzelnen nach Postleitzahlen eingerichteten Regionalgruppen und so übernahmen die Vereine Hamburg und Kiel die Nordregion, der Verein Weser-Ems mit dem Förderverein den Westen, der neugegründete Hovawartverein zusammen mit den Mitgliedern der Hovawartfreunde Berlin den Osten und eine Südgruppe des Kieler Vereins das südliche Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Lediglich die Regionalgruppe Mitte musste, von allen Vereinen mehr oder weniger unterstützt, sich ganz neu bilden und hat dies auch in hervorragender Weise geschafft.

Im September 1997 wurde dann die so gestaltete HZD endgültig als Mitglied in den VDH aufgenommen.

Der 1959 in Braunschweig als IHV gegründete Verband ist auf diese Weise identisch mit der heutigen Hovawart Zuchtgemeinschaft Deutschland und hat auf die geschilderte Weise und über diesen langen Zeitraum sich aus dem vielfältigen Spektrum der Meinungen und Auffassungen seiner aus unterschiedlichen Richtungen kommenden Mitglieder und Funktionäre die besten Ideen und Hovawartkenner heraussuchen können, um innerhalb kurzer Frist zu einer jungen frischen lebendigen und bedeutenden Zuchtorganisation für Hovawarthunde im VDH zu werden.

Dass sie hierbei nach wie vor bei den nach ihren Vorschriften gezüchteten Hovawarten Wert auf sozial verträgliche, familienangepasste Hunde legt, ergibt sich aus ihrer hier geschilderten vielfältig wechselvollen, aber immer dieser Wesensrichtung verschriebenen Geschichte.

 

Klaus Frey