Wental

27. Januar 2008 Wanderung im Wental

 

Eingeweihte Wissen: zur Winterwanderung im Wental sollte man sich gut warm anziehen, denn dort pfeift der Wind.

 

Erfreulich pünktlich waren alle angemeldeten Teilnehmer eingetroffen, so dass der Tross mit 17 Hovawarten und 2 Corgis umgehend losmarschieren konnte. Weg von der Straße im Felsenmeer wurde abgeleint für einen ersten Spurt, bevor es gleich wieder ?Rückruf? hieß für eine gemeinsame Unterordnung. Die Hovis zeigten sich geduldig, bis ihre Menschen die Sache mit dem Durchzählen (eins, zwei, eins, zwei...) kapiert und verinnerlicht hatten. Zur Belohnung hieß es wieder Leinen los, was für übermütige Runden auf den weiten Wiesenflächen des Wentals genutzt wurde.

An einer weiteren Station wurde es wieder anspruchsvoll, denn diesmal wurde die Gruppe nach Hundealter eingeteilt. Dieter Lang führte in die Geheimnisse der Hundeausstellung ein, während Kerstin Lang den Hundenasen Arbeit verschaffte. Im ersten Durchgang zeigte ein Fremder dem Hovawart ein Preydummie (Futterbeutel) und gab ihm auch ein Leckerli daraus, bevor er hüpfend und kaspernd die Beute verstecken ging. Nach seiner Rückkehr wurde der Hund losgeschickt zum Suchen. Der Wind fegte ordentlich durch´s Tal, und man merkte genau, wie die Hunde erstmal die Witterung erhaschen und deshalb teilweise Winkel laufen mussten. Auch wenn einige (auch ich) ihren Hunden bei diesem Spiel keinen Erfolg zutrauten: alle haben den Beutel gefunden. Ganz super war ein Hovi, der zunächst den Handschuh fand und brachte, der dem ?Verstecker? unbemerkt aus der Tasche gefallen war. Große Überraschung und dickes Lob, dann spurtete das brave Tier ein zweites Mal los und fand auch noch seine Beute. Mit dem Bringen und Abliefern in die Hand des Menschen haperte es teilweise, doch mit Unterstützung und Hilfe von Kerstin Lang klappte auch das.

 

Nun versteckte sich der Besitzer, und der Hund musste suchen. Damit es nicht zu einfach wurde (Hunde sehen Bewegungen sehr gut), durften die Hunde nicht zugucken. Gar nicht so einfach, gleichzeitig einen zappelnden Hund zu halten und sich vor ihm aufzuplustern! Auch hier ging niemand verloren, alle Schäflein wurden umgehend gerettet. Solche Spiele lassen sich natürlich bestens auf Spaziergängen einbauen und bieten den Hovawarten ?was für´s Hirn?.

 

Vereint wanderten die Gruppen weiter. Gelegentlich rumpelten schon mal zwei Hunde zusammen. Qiara bekam auf die Mütze und wärmte vorübergehend mit der Buschrute ihren Bauch, bevor sie zur Tagesordnung überging: her mit den jungen Rüden! Corgi Agnes kriegte sich mit derselben Hündin in die Wolle. Da war ich froh, meine kleine Giftzecke an der Leine zu haben, sonst wäre es schwierig geworden, die Schnappnasen auseinander zu kriegen. Passiert ist übrigens gar nichts, es war nur Gekeife und Geschnappe. In so einer Situation hilft nur eins: den Mund halten und auseinandergehen, um den Hunden die Unterstützung zu entziehen. Der Welpe mit dem verbundenen Schwänzchen war übrigens in der Welpengruppe ungünstig von einem Milchzahn erwischt worden...

 

An der Kreuzung, an der im letzten Jahr neben uns eine große angeknackste Fichte mit Getöse umgefallen war, teilten wir uns noch mal in die Altersgruppen auf und tauschten die ?Vorturner?. Dieter Lang erklärte den etwas erfahrenen Hundeteams, worauf es beim Ausstellen des Hundes ankommt. Dass ein Hund sich ruhig überall anfassen lässt, ist nicht nur im Ring wichtig, das ist von Vorteil auch z.B. beim Tierarzt und ganz allgemein im Alltag. Beim Schaulaufen zeigte sich, dass einige Hunde bei nahezu jedem Tempo wunderbar leichtfüßig und elegant traben, während man bei anderen ganz schön Tempo machen muss, bis sie vom schaukelnden Passgang in den Trab wechseln. Da ist Übung angesagt, wichtig ist auch die Kommunikation mit dem Hund. Er soll sich auf seinen Menschen konzentrieren und mit ihm laufen.

 

Nun gab es noch Abrufen durch die Gasse. Als gerade alle Hunde schön in Reihen einander gegenüber saßen, bemerkte ein kleines Mädchen mit Blick auf die Corgis: ?Guck mal Mama, zwei Hunde!?. Tja, es gibt halt Hovawarte und Hunde!

Nach insgesamt 2 ½ Stunden erreichten wir unseren Ausgangspunkt. Muss ich erwähnen, dass unsere lieben vierbeinigen Freunde kurz vor dem Gasthaus noch eine große Schlammpfütze fanden? ?Füße waschen vor dem Essen?, das hatten sie sich gemerkt. Die Menschen freuten sich über gutes Essen, zum Nachtisch gab Dieter Lang noch einen Einblick in das Wesen des Hovawarts. Was fordert der Standard, und welche Konsequenzen hat das für den Umgang mit dem Hovawart? Heutzutage muss gerade ein großer Hund gesellschaftstauglich sein, souverän und friedfertig. Doch im Hovawart stecken naturgemäß auch Wehr-, Schutz- und Beutetrieb sowie eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein. Mit Wesensbeurteilungen aller Zuchthunde und möglichst aller Nachzucht will die HZD sicherstellen, dass aggressive und ängstliche Tiere nicht in die Zucht gelangen und insgesamt die Zucht in die gewünschte Richtung geht. Die Züchter sind gefragt bei der Sozialisierung ihrer Welpen, die Welpenkäufer müssen weiter daran arbeiten. Vertrauen, Konsequenz und Kommunikation sind die Schlüssel zum gedeihlichen Zusammenleben. Klein-Hovi muss von Anfang an lernen, dass seine Menschen das Sagen haben, weil sie wissen, wo´s langgeht. Mit vorausschauendem Handeln kann man vielen Problemen vorbeugen und seinen Hovawart sicher führen. Dass dabei unsere heißgeliebten Sturköpfe viel Diskussionsbedarf haben, bis sie Jugendrüpeleien und Pubertätsanwandlungen überwunden haben, konnten die ?Hovi-Erfahrenen? den ?Frischlingen? mit lächelnder Anteilnahme bestätigen. Der Hovawart ist kein Hund für ?Nebenher?, aber er lohnt die Mühe auch mit einem wundervollen Wesen.

 

Es war wieder ein rundum gelungener Tag für Mensch und Hund, für Körper und Geist. Ganz herzlichen Dank Familie Lang für die prima Organisation und Durchführung ? bis zum nächsten Mal!

 

 

Almut Rosenfelder für die RG Süd

 

 

 

 

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