13.06.2009, Spiel und Spaß in Kehl

Spiel + Spaß in Kehl-Neumühl

 

Es gab dieses Jahr ein kleines Jubiläum: zum fünften Mal organisierte Familie Specovius den Spiel- und Spaßtag auf dem Platz des Schäferhundevereins. Angeblich soll es dort auch mal regnen, ich kenne den Platz nur als Testgebiet für Sonnenschutzmethoden. Vielleicht sollten wir jedes Mal einen Baum spenden, der strategisch günstig auch nach Mittag seinen Schatten wirft. Aber wenn das Programm so viel Spaß macht und die Hunde zwischendurch zur Abkühlung in der Kinzig baden können, hält man auch einen langen Sonnentag gut aus.



René Oppliger ließ die 17 Hunde erst einmal im Kreis laufen, die Erregung abbauen, dann näher zusammenrücken. Es ging ausgesprochen harmonisch zu, denn die Menschen kennen ihre Pappenheimer sehr gut und wissen, wer vielleicht nicht mit wem kann. Im übrigen klappten diese Gehorsamsübungen insgesamt sehr gut.



Bei vielen Übungen geht es um das Vertrauen der Hunde in ihre Menschen. Nur mit Vertrauen erreicht man, dass ein Hund über zwei liegende Artgenossen springt, ohne dass es Ärger gibt. Bei solchen Gelegenheiten lernt man eine Menge über das fantastische Sozialverhalten unserer Hovis: der Springende entschuldigt sich mit Beschwichtigung vorher bei den ?Unterhunden?, die wiederum signalisieren, dass sie es dulden werden. Manch einer trippelte graziös auf Krallenspitzen über das Hindernis oder entschied sich, lieber nur über die Schwanzspitze zu hüpfen. Und wer mittig die Hürde nahm, flog  förmlich im hohen Bogen darüber hinweg. Wenn statt der Hunde zwei Menschen zu überspringen sind, kann man als Mensch mit dem Gesicht im Gras nachfühlen, wie es sich anfühlt: kriegt man eine Pfote ins Kreuz oder nicht? Natürlich nicht! Aber auch hier schaute ein besorgter Hovi nach, ob der Liegende vielleicht beatmet oder wenigstens gewaschen werden müsste. Gegenverkehr im Tunnel ? auch da könnte sich mancher Autofahrer von den höflichen Hunden etwas abschneiden. Selten, dass wirklich zwei Hunde gleichzeitig in den Tunnel rumpeln, und meist kommen sie dann gemeinsam wieder heraus. Auf der Schrägwand hingegen kann man im Vorbeigehen bei Gefallen Küsschen geben oder ruhig nebeneinander sitzen. Ebenfalls mit Vertrauen hat es zu tun, wenn der Mensch am Boden sitzt oder liegt und seinen Hund dirigiert. Ich hatte dabei den Eindruck, dass Hovimenschen durchaus auch auf Augenhöhe mit ihren Hunden vertraut sind.



Geschicklichkeit ist ein weiterer Schwerpunkt. Wie bewältigt man eine relativ flache Schrägwand, die aber aus Gittermatte besteht? Wie wendet man auf einem Laufsteg? Wie nimmt man mit Schwung die Schrägwand, um dann auf der Spitze auf Zuruf zu stoppen? Dabei waren klar diejenigen Hunde im Vorteil, die bereits öfters an derartigen Spieltagen teilgenommen hatten oder im Alltag jede Möglichkeit nutzen, die der Spaziergang so bietet. Wer unfreiwillig den Abgang machte, kam aber auch nicht zu Schaden.



Überhaupt geht es weniger darum, alle Übungen ?fehlerfrei? zu absolvieren, sondern vielmehr darum, mit dem Hund zusammen die Aufgaben zu lösen. Man lernt seinen Hund einzuschätzen und kann dann helfen, wo?s nötig ist. Schön zu sehen, wenn eine anfänglich total unsichere Hündin sich doch deutlich beruhigt und zumindest immer wieder zu ihrem Menschen kommt, um schließlich die meisten Aufgaben bewältigen zu können.  ?Nobody is perfect?, aber die Arbeit daran macht Spaß! Für unsichere Hovianfänger bleibt die beruhigende Einsicht, dass sie mit ihren Problemen weder allein sind noch alleine gelassen werden. Jeder Hovibesitzer weiß, dass diese tollen Hunde nicht immer einfach zu führen sind, wenn Temperament und Tatendrang den Gehorsam oder die Lebenserfahrung bei weitem übertreffen...



Die Gestaltung des Rahmenprogramms sah mittags und zum Abschluss  ?Erfrischung im Fluss? für die Hunde vor. Tja, dabei bleiben auf menschlicher Seite meistens auch nur die Augen trocken! Es schüttelt sich so schön in geselliger Runde, und warum müssen Menschen immer im Weg stehen, wenn gerade so richtig die Post abgeht? Die Schwanenfamilien beäugten das Treiben aus sicherer Entfernung.



Für die Menschen wurde bereits mittags ein leckerer Salatteller, Gegrilltes und zudem ein außerordentlich verführerisches Tortensortiment geboten. Die Gastgeber vom SV haben uns wie immer bestens versorgt ? dafür ein großes Dankeschön! Die erfahrenen Hunde mögen sich erinnert haben, dass es in Kehl immer etwas Besonderes zum Abschied gibt: von einem Metzger zubereitete Hundewurst (für Hunde natürlich, nicht aus Hunden!). Für Oppligers hatte Detlev Specovius sich diesmal etwas ganz Besonderes einfallen lassen: zum einen gab es einen Teller mit HZD-Logo und Widmung für die vielen Verdienste um den Hovawart, zum anderen noch ein ganzes Paket mit höchst interessantem Archivmaterial aus der Zeit des Rassebegründers König. Dieses Geschenk kam sichtlich gut an. René Oppliger lud im Gegenzug herzlich ein zur Teilnahme am 50-jährigen Jubiläum des Schweizerischen Hovawart Clubs am 8.+9. Mai 2010 auf der Pferderennbahn in Aarau.



Ein schöner Tag in angenehmster Gesellschaft ging schließlich zu Ende. Ganz, ganz herzlichen Dank an die ganze Familie Specovius für die prima Organisation!



Im Auftrag der Hunde soll ich hier noch etwas Wichtiges erwähnen: solche Veranstaltungen sind nicht für junge Hunde reserviert! Auch gesetzte und ältere Semester haben große Freude daran, wenn man sich so intensiv mit ihnen beschäftigt und Hirn und Körper etwas fordert! Die Erziehung hört bekanntlich nie auf, und gerade unsere Hovis sind ein Leben lang lernfähig und durchaus verspielt. Also: das nächste Mal dürfen gerne noch ein paar ?Best Ager? mehr teilnehmen!   



Für die RG Süd, Almut Rosenfelder

 

 

 

 

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