
am 21. Januar 2012
Sollen wir, oder sollen wir nicht? Sonntag früh das gemütliche Bett verlassen und bei Regen und Schneeregen auf die raue Ostalb fahren? Na klar doch, es lockte ja der traditionelle Winterspaziergang im Wental, und wir wollten Familie Lang nicht alleine im Regen stehen lassen. Aber weit gefehlt, erstens blieb es während des gesamten Spaziergangs trocken (bisweilen lugte sogar die Sonne durch die dahinrasenden Wolken), zweitens tummelten sich bereits viele Mitwanderer auf dem Parkplatz.
Der war von riesigen Pfützen geflutet. Es wäre ein sehr reizvolles Fotomotiv gewesen, wie die aufgeregt dem Auto entstiegenen Hovis im Gegenlicht durch´s aufspritzende Wasser zu ihren Kumpels strebten! Ich zählte 18 Hunde, davon drei "Außerirdische", die problemlos von der blond-schwarzmarken-schwarzen Meute akzeptiert wurden, begleitet von rund 40 Menschen. Die Karawane strebte flotten Schrittes der flachen Wiese zwischen den bizarren Felstürmen zu, wo uns Kerstin Lang erstmal mit etwas Unterordnung vor dem anschließenden Freilauf dämpfte. Es ist ja so aufregend, Geschwister, Eltern und neue Nasen zu erschnüffeln!
Anschließend entlud sich das ganze Temperament in wilder Jagd durch das weite Wiesental. Es ist jedes Mal eine Freude, den prachtvollen Hunden beim Toben zuzusehen. Natürlich benehmen sich unsere Hovawarte nicht immer so, wie wir Menschen es gerne hätten, denn Hunde sind nun mal Hunde. So brüllten sich gelegentlich zwei Rüden an und rauften mal lautstark. Ach ja, wenn da nur die Menschen die vorher gegebenen Tipps beherzigen könnten in der Aufregung und sofort schweigend auseinandergehen würden, anstatt mit gutgemeintem Geschrei die Kontrahenten moralisch zu unterstützen! Ich weiß, es fällt schwer, aber wir Menschen verstehen schlicht zu wenig von den feinen und blitzschnellen Gesten der Hundesprache, um uns wirklich sinnvoll einmischen zu können.
Jedenfalls lösten sich die Streithansel und liefen ohne Leine auch wieder entspannt weiter. Geht doch!
Die Führersuche verlangte den Hunden diesmal einiges ab, blies doch der Wind heftig alle Duftspuren durcheinander. Es war toll zu beobachten, wie die erfahreneren Hunde sich den Wind suchten. Wenn Stöbern mit hoher Nase nicht weiterhalf, schaltete man um auf Spurensuche mit der Nase am Boden.
Genauso gut klappte es später auch bei der Suche nach dem versteckten Preydummie. Kerstin und Dieter Lang nehmen sich immer erfreulich viel Zeit, um jedem Hunde-Mensch-Gespann die passende Hilfestellung zu geben und auch allgemein Anregungen zur artgemäßen Beschäftigung mit dem Hovawart zu geben. Ines Kissling übernahm auch jeweils eine Gruppe, damit keiner zu lange warten musste.
Als wir schließlich gut durchgelüftet und hinreichend ausgepowert (sogar dem Vorderreifen des Hundewagens war die Puste ausgegangen) am Gästehaus Wental ankamen, hatten die meisten Hovis nichts dagegen, abgetrocknet eine Runde im Auto zu schlafen. Die Hunde, die mit in die Gaststube kamen, hatten allerdings auch keine Wortmeldungen mehr.
Umso lebhafter konnten wir Menschen uns nun austauschen, während draußen Regen einsetzte. Die neue Körung wurde vorgestellt mit Bildern und Videos, ergänzt um hochinteressante Originalaufnahmen eines Vortrags vom Begründer unserer wunderbaren Hunderasse Kurt F. König himself über das Wesen des Hovawarts und Anforderungen im Rassestandard (Link zum Selberhören: hier lang) Dieter Lang zeigte auf, dass der Hovawart von Anfang an vielseitig einsetzbar sein sollte und seine Anlagen als Familienbegleithund genauso wie als Rettungs-, Schutz- oder Servicehund entfalten kann.
Aggression und Angst sind lebenswichtige Elemente des natürlichen Hundeverhaltens und keinesfalls Zuchtfehler. Wichtig ist, dass der Hund angemessen auf Situationen reagiert. Darum werden in der neuen Körung Alltagssituationen nachgestellt und nicht etwa erlerntes oder antrainiertes Verhalten abgefragt. Über viele Einzelbeobachtungen kann sich der Körmeister ein Bild vom Wesen des Hundes machen.
Die beste Vorbereitung für solche Prüfungen bekommt ein Hovawart, der seine Menschen bei möglichst vielen Gelegenheiten im Alltag begleiten darf. Dann klappt es auch irgendwann im Laufe der Jahre, dass der eigene Hund so toll wird wie im Standard beschrieben, das versicherten die "Alten Hasen" denjenigen, die noch mit ihren pubertären Rüpeln diskutieren...
Es war wieder einmal ein rundum gelungener Tag. Herzlichen Dank für die gute Organisation! Gerne wieder!
Almut Rosenfelder

So entspannt waren die Hunde nach der Wanderung

