Die Geschichte und Entstehung der Rasse Hovawart ist eng verknüpft mit dem Namen Kurt Friedrich König. Am 1. Februar 1896 in Sankt Johann/Saar – heute Saarbrücken – geboren, kam er als verwundeter Soldat des Ersten Weltkriegs ins Lazarett nach Thale am Harz. Hier blieb er nach Kriegsende, gründete eine Familie, und wurde Schäferhundbesitzer und -züchter.

Er war 1920 Mitbegründer der Ortsgruppe Thale des Vereins für Deutsche Schäferhunde e.V. (SV). Im bekanntesten Buch über den Deutschen Schäferhund, „Der Deutsche Schäferhund in Wort und Bild“ vom 1. Vorsitzenden des SV Rittmeister von Stephanitz, war der Hovawart als Vorfahre des Deutschen Schäferhundes genannt. Als erfahrener Tierzüchter war König vertraut mit dem Begriff „Rückkreuzung“. Ein Rückgriff auf alte genetische Anlagen einer Art oder Rasse, die züchterisch herausgearbeitet werden können. In den Schäferhunden der 1920er Jahre musste ja noch etwas vom Vorfahren „Hovawart“ stecken, was durch Rückkreuzung wieder zum Vorschein gebracht werden könnte.
Als ab 1922 der SV die Körung als Zuchtvoraussetzung einführte, wurde König der Spezialist für die Durchführung der Anlagenprüfungen. Im SV, wo in den 1920er Jahren oftmals aus einem Wurf sowohl begabte Hütehunde als auch Gebrauchshunde für den Polizeidienst hervorgingen, fand König ein entsprechend breites Spektrum in den Anlagen vor. Auch seine Tätigkeit als „Abrichtewart“ mehrten diese Erfahrungen. König interessierte sich aber vor allen Dingen für die Vierbeiner mit guten Schutzhund-Eigenschaften und sah bei den Körungen immer wieder entsprechend begabte Tiere. Schließlich schlug er Anfang 1924 bei der Mitgliederversammlung vor, die Schäferhund-Zucht aufzuspalten und eine reine Schutzhunde-Zucht in einem eigenen Verein durchzuführen, um bessere Zuchterfolge zu erzielen.
Die SV Ortsgruppe Thale lehnte diesen Vorschlag ab. König konnte aber ein Dutzend inzwischen gewonnener Mitstreiter aus dem SV davon überzeugen, dass mit gezielten Anlagenprüfungen und strikter Selektion ein Schutzhund gezüchtet werden könnte, der auch ohne Abrichtung die gewünschten Verhaltensweisen zeigen und vererben würde. Und so wurde mit genau 13 Mitgliedern im Jahre 1924 der „Hovawart. Verein für Deutsche Schutzhunde in Thale a. Harz“ (HVS) gegründet. Gleich am 7. März 1924 wurden die ersten Hunde nach Königs Vorgaben einer Hovawart-Anlagenprüfung unterzogen. Es folgten viele weitere, so dass im Jahr 1924 insgesamt 92 Hunde nach Hovawart-Körschema geprüft wurden. Davon erhielten 19 (20,7%) eine Zuchtzulassung. Nur neun davon wurden tatsächlich Gründertiere der Hovawart-Zucht, die bis 1941 noch um weitere fünf auf insgesamt 14 ergänzt wurden. Mit den anderen angekörten Hunden wurden Zuchtversuche über ein bis drei Generationen unternommen, bevor die Zucht mit diesen Linien wegen ausbleibender Erfolge eingestellt wurde.
König fing bei den Körungen mit Schäferhunden aus seiner eigenen Zucht an. Aus dem H-Wurf Wendhusen (das war Königs Zwingername im SV) wurden gleich vier Hunde (Hunolf, Helma, Herma und Hummel Wendhusen) geprüft und nur Herma (Schäferhund-Zuchtbuch Nr. 156218) hat bestanden. Die so ermittelten ersten Zuchttiere bekamen nun eine HVS Zuchtbuchnummer (Herma: 004/22) und wurden umbenannt. Sie behielten ihren Rufnamen und der Zwingername wurde ersetzt durch den Nachnamen des Besitzers, so dass aus „Herma Wendhusen“ dann „Herma König I“ im Hovawart-Zuchtbuch wurde. Aber es wurden auch Hunde aus der Region Thale geprüft und zur Zucht zugelassen, die nicht aus einer Rassehundezucht stammten. Diese wurden später „Typhunde“ genannt. Der weitaus größte Teil hat aber die Hovawart-Anlagenprüfung nicht bestanden. Die Hovawart-Zucht begann also vor allen Dingen mit einem starken Selektionsprozess, in dem 79,3% der Hunde direkt abgekört wurden! Nur 9,8% der geprüften Hunde gingen tatsächlich als Gründertiere in die Hovawart-Zucht ein und finden sich noch heute in den Genen unserer Hovawarte wieder. Unter den 14 Gründertieren waren drei Deutsche Schäferhunde, zwei Neufundländer und insgesamt neun Typhunde.
König hatte ein klares Bild vor Augen, wie der Hovawart aussehen sollte. Er konnte auf die Erfahrungen zurückgreifen, die er als Sohn eines Tierhändlers gemacht hatte, der die Tierparks im Deutschen Reich mit Tieren belieferte. Sein Vater August hatte Kontakte zu Tierfängern in der ganzen Welt und interessierte sich für die Entstehung der Haustiere und für Hundezucht. Der Typus Haus- und Schutzhund, der in vielen Regionen der Welt gleichermaßen anzutreffen war, war ein großer Hund mit Klappohren, langer Rute und langem Fell in der Farbe schwarzmarken. Aus den Verpaarungsversuchen des Vaters sind stets solche Hunde hervorgegangen, auch wenn die Eltern z.T. ganz andere Farben hatten. Insofern erwartete König auch bei der Hovawart-Zucht in Thale, einen solchen ursprünglichen Typus wieder entstehen lassen zu können. Und mit seiner überzeugenden Arbeit im SV konnte er nun auf Mitstreiter zählen, die mit ihm zusammen eine solche Zucht aufbauen wollten.

Das Ziel war ein intelligenter und überlegsamer Wächter, der Situationen einzuschätzen vermochte. Im Gegensatz zu anderen Hunderassen, sollte er dabei nicht gedrillt werden müssen, sondern selber entscheiden können, wann er sich einsetzen muss. Seinem Menschen treu ergeben ist er unbestechlich und mutig wenn Gefahr droht, aber niemals grundlos aggressiv oder leicht reizbar. Im Alltag ist er nicht nur ein Begleiter, sondern auch ein Helfer, der für seinen Menschen verschiedene Aufgaben erfüllen kann. Daher wurde auch auf eine gute Nasenveranlagung und Bringlust geachtet. Wasserscheue und zu stark ausgeprägte Wildpassion waren hingegen unerwünscht. Das äußere Erscheinungsbild musste in erster Linie zweckmäßig sein: Das lange Fell sollte wetterfest und regenabweisend sein, die Fellfarbe war nicht festgelegt, der Körperbau sollte nicht zu schwer und nicht zu leicht sein, damit der Hovawart kräftig und schnell agieren und ausdauernd arbeiten kann.
Der Zuchterfolg stellte sich viel früher ein, als König erwartete. Bei solchen und ähnlichen Zuchtvorhaben hatte er bis dahin bei Mäusen oder Füchsen zehn bis zwölf Generationen züchten und warten müssen, um das gewünschte Selektionsziel zu erreichen. Beim Hovawart stellte sich schon in der vierten Generation ein überragender Zuchterfolg ein in Form des Rüden Castor Meyer-Busch (HVS 230-32), der am 20. März 1932 das Licht der Welt erblickte. Castor Meyer-Busch war das „Fleisch gewordene“ erreichte Zuchtziel! Er schaffte mit Leichtigkeit alle Hovawart-Anlagenprüfungen, wurde über mehrere Jahre stets Körsieger und bereits im Alter von zehn Monaten zur Zucht eingesetzt. Er hatte so überragende Eigenschaften, dass er im Laufe der Zeit systematisch in sämtliche vorhandenen Zuchtlinien eingekreuzt wurde. Er ist also in allen Stammbäumen heute lebender Hovawarte zu finden.
Die vom Reichsnährstand veranstaltete „Grüne Woche“ in Berlin 1937 war von König ausgiebig zur erstmaligen öffentlichen Präsentation der neuen Hunderasse vorbereitet worden. Dazu wurde ein leider nicht erhaltenes Hovawart-Zuchtbuch über die ersten 126 Zuchttiere beim Reichsnährstand eingereicht sowie auch ein umfangreiches ebenfalls nicht erhaltenes Fotoalbum. Anhand dessen wurde dokumentiert, wie einheitlich der Hovawart bereits im Jahre 1937 herausgezüchtet und als Rasse gefestigt war.
Im Dritten Reich unterhielt König gute Kontakte zum Regime. Aus seiner eigenen Zucht schenkte er dem Reichsführer SS Heinrich Himmler im Jahr 1937 einen Hovawart mit Namen „Siegtreu König I“. Er wurde Beauftragter für das Diensthundewesen und gehörte zum persönlichen Stab von Heinrich Himmler. König wurde ernannt zum „Reichsobmann für Hovawart-Zucht und Aufartung“ im Reichsverband Hundewesen. In dieser Position konnte er starken Einfluss auf die Hovawart-Zucht nehmen und für Zuchthunde Bescheinigungen ausstellen, mit denen sie vom Kriegsdienst befreit wurden. Insofern hat die Hovawart-Zucht überhaupt nicht unter den Kriegsjahren gelitten, sondern die Zahl gezüchteter Welpen nahm im Kriegsverlauf stetig zu.
Mit Kriegsende war zunächst keine planmäßige Zucht mehr möglich. Die noch lebenden Hovawart-Züchter hatten in den unterschiedlichen Besatzungszonen zunächst keinen Kontakt zueinander. Alle existierenden Vereine mussten auf Befehl der Besatzungsmächte zunächst aufgelöst werden, um vor allen Dingen die politischen Parteien zu eliminieren. Noch im Jahr 1945 durften aber erste Zuchtvereine neu gegründet werden. Und das geschah auch in der Hovawart-Zucht in den verschiedenen Besatzungszonen. Besonders schnell wuchs dabei der in Coburg gegründete Rassezuchtverein für Hovawarthunde, welcher kurze Zeit später der erste Hovawart-Zuchtverein innerhalb des neu gegründeten Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) wurde. Mit der Zersplitterung der Zucht auf viele Gruppen entstanden auch unterschiedliche Ziele für die Rasse. Während für die einen weiterhin der eigenständige, überlegsame Wächter im Vordergrund stand, strebten andere die sportlicher orientierte Gebrauchshundezucht an, in der die Trainierbarkeit eines Hundes weiter in den Vordergrund rückte. Durch den Beitritt des Rassezuchtvereins für Hovawarte in den deutschen kynologischen Dachverband war es nun auch nötig, einen Rassestandard aufzustellen, welcher das äußere Erscheinungsbild des Hovawarts genauer festlegte, als es bis dahin der Fall war. Zu dieser Zeit entstand der auch heute für den Hovawart gültige Standard, der ihn unter anderem in den drei Farbschlägen blond, schwarz und schwarzmarken definiert. Auch das Bestreben, den Hovawart als siebte Gebrauchshunderasse innerhalb des deutschen Dachverbandes anerkennen zu lassen, konnte 1964 realisiert werden.

Jene Züchter, die sich nicht mit den Zuchtzielen des Rassezuchtvereins für Hovawarthunde identifizieren konnten, wurden Mitglied in einem der vielen kleineren Zuchtvereine und -verbände, die sich in der Zwischenzeit gebildet hatten. Sie bündelten ihre Kräfte und züchteten vereinsübergreifend, was eine Vergrößerung der ihnen zur Verfügung stehenden Zuchtbasis ermöglichte. Sie waren nicht an den neu aufgestellten Rassestandard gebunden und behielten auch andere Farbschläge in der Zucht, darunter beispielsweise blonde Hovawarte mit schwarzem Anflug, ähnlich dem Aussehen eines Leonbergers, sowie sogenannte „markenschwarze“ oder „wildfarbene“ Hunde mit schäferhundähnlicher Färbung. Später schlossen sich viele dieser Vereine zur heutigen Hovawart Zuchtgemeinschaft zusammen. In den 80er Jahren trat auch die HZD in den Verband für das Deutsche Hundewesen ein, etwas später gefolgt vom dritten heute im VDH züchtenden Hovawartverein, dem Hovawart Club e.V.

Mit dem Beitritt dieser Vereine zum VDH änderte sich in den folgenden Jahren nochmal das Erscheinungsbild der Hovawartpopulation, denn von diesem Tag an mussten schweren Herzens einige gute Hovawarte mit den Fellfarben, welche nicht dem Rassestandard entsprachen, aus der Zucht entlassen werden. Vorteil war dabei, dass der VDH den nationalen Brückenkopf bildete für internationale Zuchtvorhaben. Über den bei der FCI hinterlegten Rassestandard konnte nun sichergestellt werden, dass international nach denselben Richtlinien gezüchtet wurde und somit die Zuchbasis enorm verbreitert werden konnte. Eine breite Zuchtbasis, eine enge Vernetzung und Kenntnisaustausch unter den Züchtern und strenge zuchthygienische Regeln bieten die besten Voraussetzungen dafür, dass der Hovawart auch in Zukunft eine gesunde, langlebige und leistungsfähige Rasse bleibt.

Der Hovawart wird heute von allen drei Vereinen innerhalb des VDH nach dem gleichen Standard gezüchtet. Die drei Zuchtvereine arbeiten eng zusammen und einstige Rivalitäten wurden abgelegt. Die unterschiedliche Gewichtung einzelner Zuchtziele der Vereine sind dabei auch heute noch erhalten geblieben und bieten einem Hovawartinteressenten zusätzliche Auswahlmöglichkeiten nach den eigenen Vorlieben, Möglichkeiten und Ansprüchen bezüglich seines Hovawartes. Dem übergeordnet steht die gemeinsame Hingabe an die Zucht und die Erhaltung des Hovawartes über die Vereinsgrenzen hinweg.